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Untitled/Freud

Untitled (Freud Archive, Signs of Wear and Tear)

Tintendruck auf Buchpapier, Röntgenbilder auf Transparentfolie, 2012

Wie Titelseiten bedruckt, versammeln die Blätter an der Wand Notizen über Spuren, die beim Lesen in Büchern Sigmund Freuds hinterlassen wurden. Sie sind Teil einer Textesammlung über die Zustände gebrauchter Bücher Freuds, welche von Buchhändlern verfasst wurden. In Kurzform verfasst, erinnern einige der Beschreibungen wie am Kopfschnitt ergraut oder Gelenke gelockert an die Fragilität eines alternden Körpers. Andere suggerieren ganz individuelle Merkmale oder schweifen ab. Die Notationen lenken den Blick auf die Beobachtungen der Bücher durch ihre Händler – hier die eigentlichen Autoren – und erinnern an mögliche Korrelationen zwischen Körper und Geist, die die Gebrauchserscheinungen nebst den gedruckten Titeln („Psychopathologie des Alltagslebens“, „Hemmung, Symptom und Angst“) assoziieren lassen könnten.

In der zwischen zwei Glasscheiben gesetzten Röntgenaufnahmen von Werken Sigmund Freuds bleibt der eigentliche Buchtext unsichtbar. Die Röntgenstrahlen, ursprünglich für medizinische Eingriffe gedacht, durchdringen das Papier und bringen einen zwischen den Buchseiten verborgenen Fremdkörper zum Vorschein. Beim näheren Betrachten entpuppt sich dieser als gewöhnliche Büroklammer, die das Kapitel „Das Es“ in seiner schillernden Doppeldeutigkeit in Form eines Lesezeichens reflektiert.

english text below

Untitled (Freud Archive, Signs of Wear and Tear)

Ink jet prints on book paper, x-rayed books on transparencies, 2012

Antiquarian notes from used books of Sigmund Freud are printed on book sized papers, designed like front pages and glued to the wall in a loosened block. Printed like front pages, the sheets on the wall collect notes on signs of wear and tear, left behind by reading Sigmund Freud’s books. They are part of collected online-descriptions of second-hand used Freud books written by archivers and booksellers. The notes refer the viewer back to himself, to his perception and his fragile physicalness. Moreover, in their multitude and sequence they unfold a surreal, almost tragic humor, that on first view does not want to comply with the often so seriously grave book titles. Nevertheless an ex post enchantment happens to the classics– they (also as invisible bodies of books) gain a new, fragile value by means of the human usage that is documented here.

X-rayed books of Sigmund Freud

paperclip bookmarks in: The Uneasiness In Culture / Repression / The Id